Flüsse und Seen könnten in Baden-Württemberg künftig deutlich stärker zur Wärmeversorgung beitragen. Ein am 18. September 2026 veröffentlichtes Gutachten des Instituts für Energie- und Umweltforschung Heidelberg sieht bis 2030 ein Potenzial von mindestens 2,5 Terawattstunden Wärme pro Jahr. Bis 2040 könnte sich dieser Wert mindestens verdoppeln. Für Eigentümer und Unternehmen ist das noch keine konkrete Versorgungszusage. Die Ergebnisse zeigen aber, dass Gewässerwärme bei der Entwicklung und Bewertung größerer Gewerbestandorte relevanter werden kann.
Was das neue Gutachten zeigt
Aquathermie nutzt die in Flüssen und Seen gespeicherte Wärme über Gewässerwärmepumpen. Nach Angaben des Landes entfaltet die Technik ihren besonderen Nutzen in Verbindung mit Wärmenetzen, über die mehrere Gebäude oder größere Areale versorgt werden können.
In der bisherigen kommunalen Wärmeplanung ist diese Option noch vergleichsweise schwach vertreten. Das Gutachten wertete die vorliegenden Wärmepläne aus: 245 Pläne waren zum Informationsstand 18. September 2026 abgeschlossen, mehr als 200 weitere befanden sich in Erstellung. Der dort vorgesehene Anteil der Aquathermie am Energiebedarf von Wärmenetzen liegt bislang bei acht Prozent. Künftig sollen die Potenziale im Energieatlas Baden-Württemberg ausgewiesen werden.
Warum das für Gewerbeimmobilien relevant ist
Für einzelne kleinere Gebäude wird Aquathermie nicht automatisch zur naheliegenden Lösung. Interessant kann sie vor allem dort werden, wo mehrere Nutzungen einen gebündelten und langfristig planbaren Wärmebedarf haben – etwa in gemischt genutzten Gewerbearealen, größeren Bürostandorten oder bei der Entwicklung von Wärmenetzen.
Die regionale Relevanz ist bereits erkennbar: In Mannheim versorgt eine 20-Megawatt-Anlage nach Angaben des Landes rund 3.500 Haushalte mit Wärme aus dem Neckar. Weitere Anlagen mit zusammen mehr als 500 Megawatt Wärmeleistung befinden sich in Baden-Württemberg in Planung. Auch im Raum Karlsruhe wird das Thema konkret untersucht; eine Fachveranstaltung des Regierungspräsidiums Karlsruhe und der KEA-BW stellte im Juni 2026 unter anderem ein Aquathermieprojekt in Ettlingen vor.
Diese Beispiele lassen sich nicht auf jeden Standort übertragen. Gewässernähe allein reicht nicht aus. Entscheidend sind unter anderem das nutzbare Gewässerpotenzial, der Temperatur- und Lastverlauf, die Entfernung zwischen Wärmequelle und Abnehmern, mögliche Wärmenetze sowie technische, wasserrechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen.
Was Eigentümer und Unternehmen jetzt prüfen sollten
- Welches Versorgungsszenario sieht die kommunale Wärmeplanung für den Standort vor?
- Liegt das Grundstück in einem Bereich, für den ein Wärmenetz geplant oder geprüft wird?
- Wie hoch und wie konstant ist der Wärmebedarf der Immobilie oder eines gesamten Areals?
- Welche Leitungswege, Übergabestationen und technischen Flächen wären erforderlich?
- Welche Genehmigungen, Umweltanforderungen und Abstimmungen mit Kommune, Versorger und Wasserbehörden wären zu berücksichtigen?
- Wie schneidet die Lösung im Vergleich zu anderen Wärmeoptionen über den gesamten Nutzungszeitraum ab?
Nüchterne Einordnung
Das Gutachten macht Aquathermie zu einer ernst zu nehmenden Prüfoption, nicht zu einer pauschalen Lösung für Gewerbeimmobilien. Besonders für größere Standorte und Areale in der Nähe geeigneter Gewässer kann es sinnvoll sein, die kommunale Wärmeplanung und künftige Angaben im Energieatlas frühzeitig zu verfolgen. Belastbare Entscheidungen erfordern jedoch immer eine standortbezogene technische, genehmigungsrechtliche und wirtschaftliche Prüfung.
Quellen
Hinweis zur Erstellung: Bei der redaktionellen Aufbereitung und einzelnen Symbolbildern wurden KI-gestützte Werkzeuge unterstützend eingesetzt. Inhalte und Aussagen wurden redaktionell geprüft.